Schneeschuhtour – Piesenkopf, 1629m

Piesenkopf, 1629m (Allgäuer Alpen)

Weltabgeschiedener Winkel des Oberallgäus

In einem der wald- und wildreichsten sowie besonders während der Wintermonate stillsten Winkel des Oberallgäus verkörpert der Piesenkopf ein flussgeografisches Kuriosum. Er sitzt groß und breit genau auf der Europäischen Hauptwasserscheide Rhein – Donau. Während die ost- und südostseitig abfließenden Quellwasser über die Rohrmooser Starzlach und die Iller der Donau zuströmen, nähren die nordseitigen Wasseradern die Bolgenach und die west bis südwestseitigen den Achbach oder Schönbach, später die Subersach und strömen somit gemeinsam über die Bregenzerach dem Rhein zu.

Und noch eine weitere Besonderheit hat unser Bergziel aufzuweisen, das im Übrigen wegen der sanft geneigten Waldhänge mit Schneeschuhen mehr Sinn macht als mit Skiern. Von keinem anderen Weg aus lässt sich die atemberaubende Architektur der Unteren Gottesackerwände so gut studieren wie während des gemächlichen Aufstiegs zum Piesenkopf. Die Ausstrahlung dieser überdimensionalen Felsbastion – fast wie eine Szene aus den kanadischen Rocky Mountains – lässt einen nicht so schnell wieder los.

Wer die Piesenkapelle besuchen möchte, sollte sich nicht von einem scheinbar leichten direkten Schlussaufstieg zum Gipfel verleiten lassen. Dieser überrascht mit einer unangenehmen Muldenquerung. Erwähnenswert ist auch die hölzerne Rohrmooser Kapelle aus dem Jahr 1587, eine der ältesten Deutschlands. Besonders originell erscheint das »Jüngste Gericht« mit seinen fantasievollen Teufelsgestalten, die jeden, der sich auf dem falschen Weg befindet, recht eindringlich warnen.

Talort:
Tiefenbach, 887 m.
Luftkurort über dem Breitachtal (Marktgemeinde Oberstdorf), Oberallgäu.
Mit dem Bus von Oberstdorf erreichbar (Zug von Kempten).
Touristinformation, 87561 Oberstdorf- Tiefenbach, Tel. +49 (8322) 700250, Fax +49 (8322) 700236, www.tiefenbach-oberstdorf.de.

Ausgangs- und Endpunkt:
Rohrmoos, 1070 m; Wanderparkplatz an der Kapelle. Zu erreichen von Tiefenbach auf einer Mautstraße, keine Busverbindung (zu Fuß 2 Std.).

Dauer:
Gesamtgehzeit: 5h 30min
Rohrmoos – Neue Piesenalp: 2h 0min
Neue Piesenalp – Piesenkopf : 1h 5min
Abstieg: 2h 25min

Höhenunterschied:
560m

Anforderungen:
Bis zur Gabelung im Eubelewald (1300 m) meistens geräumter Alpweg. Der selten gespurte Weiterweg mit steilem Gipfelaufstieg ist nur mit Schneeschuhen möglich. Gipfelwechte nicht betreten! Bis zur Neuen Piesenalp leicht.

Hangexposition:
Südost bis Südwest.

Lawinengefahr:
Bei bedachter Routenwahl besteht keine Lawinengefahr.

Einkehrmöglichkeit:
-

Variante:
Will man nicht unbedingt die Riesenschleife zur Piesenalp legen, so liegt folgende, allerdings anstrengendere Abkürzungsmöglichkeit nahe: Sobald am Südwestfuß des Piesenkopfs ein Gebäude (Viehstall) erkennbar wird, über freie Hänge und einen Bachgraben querend zu diesem empor (Zeitersparnis ca. 0.20 Std.).

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Wegverlauf:
Wenn man im Hochwinter schon frühmorgens in Rohrmoos startet, kommt auf dem nahezu flachen, durch das schattig-frostige Hochtal zum Hörnlepass führenden Forststräßchen erst mal keine so richtige Stimmung auf. Zu klamm fühlen sich hier in über 1000 Meter Höhe die Extremitäten an, als dass man sich vorbehaltlos an der noch überraschend unberührten Bergnatur groß erfreuen könnte. Im so genannten Bärenloch weist die Beschilderung »Piesen Alpen« auf einen Alpweg. Durch den Wald hinauf zum quellenreichen Sperberwinkel kommt der Frühsportler dann doch allmählich auf Betriebstemperatur. Die unterschiedlich steile, aber stets angenehm steigende Fahrbahn ist im unteren Bereich meist geräumt.

Die lang gezogene Felsmauer der Unteren Gottesackerwände riegelt als dramatischer Abbruch des Gottesackerplateaus mit einem schönen Faltenwurf den Talzug nach Süden hin ab. Zwei Abzweigungen rechts bleiben unberücksichtigt. Erst an der Gabelung auf 1300 m Höhe, wo der geräumte Kurs im Eubelewald (auch Aibelewald) weiterhin geradeaus in ein winterliches Sperrgebiet leitet, schwenken wir rechts auf eine gut erkennbare Wegtrasse ab. Hier sehen wir uns gezwungen, die Schneeschuhe anzulegen. Der Fahrweg biegt wenig später endlich in nordöstlicher Richtung um. Nach einem Erholungsstück und ein paar letzten Windungen ist die Neue Piesenalp (1455 m) erreicht. Nun verstecken sich auch die durch eine Scharte geteilten Oberen Gottesackerwände nicht länger.

Der angenehmste Gipfelaufstieg verlangt jetzt erst mal einen ausholenden Bogen. Flach legen wir deshalb unter der Piesenkapelle vorbei eine Spur über die jungfräulichen, sanft geneigten Südhänge des Piesenkopfs hinüber zu einem Viehstall. Von dort sind es nur noch ein paar Minuten zu einem unbedeutenden Sattel. Weiter geht’s daraufhin rechts zum Ansatz des erst noch harmlosen, im weiteren Verlauf deutlich aufschwingenden, mit einzelnen Fichten bestockten Südwestrückens. Dieser zwingt uns empor zum Piesenkopf noch einen vollen Einsatz ab. Während des Höhersteigens rücken immer mehr die silbern schimmernden Spitzen der wie zu einer Perlenkette aufgereihten Allgäuer Hochalpen ins Blickfeld.

Abenteuerliches Tiefenbach

Das Hochtal von Tiefenbach nach Obermaiselstein verengt sich nördlich der Lochbachtalöffnung zum beachtlichen Felsentor des Hirschsprungs. Woher kommt der Name dieser wildromantischen Trockenklamm mit den lotrechten, glatt gewaschenen Schrattenkalkwänden? Man ahnt es schon, aus dem Reich der Sage. Ein raubgieriger Luchs soll demnach einst am Schwarzenberg einen Hirsch verfolgt haben. Kurz vor der klaffenden Untiefe war die früher in den Allgäuer Wäldern gefürchtete Wildkatze dem stolzen Geweihträger schon hart auf den Fersen. Da setzt dieser in seiner allerletzten Not mit einem äußerst gewagten Riesensprung über die Klamm und tauft sie somit für die Nachwelt.

Ebenfalls in der Tiefenbacher Gegend hat ein anderer Räuber wiederholt für große Unruhe gesorgt: der König der Lüfte. Ein Rohrmooser Alpbesitzer soll während zwei aufeinander folgenden Sommern den vollständigen Schafnachwuchs an den Adler verloren haben. Der mächtige Greifvogel schleppte seine Beute zum Horst an der Roten Wand östlich von Rohrmoos. Dort war es auch, wo Max von Arco-Zinneberg 1860 durch ein aufregendes Schauspiel von sich reden machte. Über eine lange Reihe zusammengebundener, abenteuerlich schwankender Leitern erklomm der Graf den unter einem abweisenden Felsendach klebenden Adlerhorst und holte sich in dem überaus waghalsigen Unterfangen die junge Brut.

Doch zurück zum Hirschsprung. Ein Stück westlich oberhalb dieser Felskerbe versteckt sich die 280 Meter tiefe Sturmannshöhle, ein geheimnisvolles Eiszeitgewölbe mit Höhlensee und Wasserfall. Über dem spaltartigen Höhlenportal erinnert eine vergoldete Gedenktafel an die Erforschung der Höhle im Jahre 1904 durch die »furchtlosen Männer« des Sturmannshöhlenvereins Obermaiselstein. Das Angenehme bei einem winterlichen Besuch ist die Tatsache, dass man sich auch nicht wärmer einpacken muss als auf einer Wanderung,
da die feucht-moderige Unterwelt mit 4 Grad Celsius ganzjährig gleich temperiert ist.

Etwas anderes ist im Tiefenbacher Gemeindegebiet noch recht bemerkenswert. Vom Hirschsprung bis zur heutigen Breitachklamm dehnte sich früher ein riesiger Gletschersee aus. Zuvor war das Tiefenbacher Hochtal ein Flusstal. Ganz in der Nähe, in der Obermaiselsteiner Gegend, weisen Gesteinsfunde, die vom Widderstein stammen, auf den Lauf der Breitach vor der letzten Eiszeit hin. Damals hatte sich die Ur-Breitach ihren Weg direkt durch die Enge des Hirschsprungs zur Iller hin gebahnt.

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Die komplette Tourenbeschreibung und das Inhaltsverzeichnis des Buches können Sie hier als PDF runterladen .

Die Tour ist aus dem Buch “Winterwandern – Allgäuer Alpen” aus dem Bergverlag Rother.

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Winterwandern – Allgäuer Alpen

Herbert Mayr

50 Wander- und Schneeschuhtouren mit Tipps zum Rodeln

176 Seiten mit 99 Farbabbildungen, 50 Wanderkärtchen im Maßstab 1:50.000 und 1:75.000, 50 Höhendiagramme, eine Übersichtskarte

Format 12,5 x 20,0 cm, kartoniert

ISBN: 978-3-7633-3029-4

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